Alternatives Zentrum in bayerischer Provinz vor der Schließung

Passau, 25. Mai 2012.

Dem einzigen alternativen, selbstverwalteten und unabhängigen Kulturzentrum in Passau und weiter Umgebung wurde der Mietvertrag gekündigt. Das ZAKK (Zentrum für ambulante Kultur und Kommunikation) ist ein Freiraum für emanzipatorische politische Gruppen, ermöglicht Konzerte abseits des Mainstreams und steht auch Menschen offen, die in unserer Gesellschaft ausgegrenzt werden.

Nach 13 Jahren alternativer Kultur und Politik steht das Projekt, wie es bis jetzt in der Passauer Altstadt besteht, vor dem Aus. Vor einiger Zeit kam es zu einem Mieter_innenwechsel in den Privatwohnungen über dem ZAKK. Die Konzerte im ZAKK führten zu Beschwerden. Trotz einer Einigung zwischen ZAKK und Mieter_innen wurde dem Projekt der Mietvertrag gekündigt.

1999 gründeten politische Aktivist_innen das ZAKK im Unteren Sand als Gegenentwurf zum provinziellen, konservativen bis braunen Passau und Niederbayern. Im ZAKK treffen sich Menschen, die ohne Konsumzwang diskutieren, politische Aktionen vorbereiten aber auch Konzerte besuchen und feiern wollen. Das ZAKK bietet heute Raum unter anderem für politische Hochschulgruppen, der Antifaschistischen Aktion und Tierrechtsaktivist_innen.

Das ZAKK ist außerdem ein Ort für die Flüchtlinge aus aller Welt, die in Lagern in der Region Passau ihr menschenunwürdiges Dasein fristen müssen. Das Bündnis für die Rechte der Flüchtlinge hat ihren Treffpunkt im ZAKK und organisiert dort Veranstaltungen und Aktionen für und von Flüchtlingen. Das ZAKK ist offen für alle Menschen, egal welcher Hautfarbe und Herkunft.

Was in den Räumlichkeiten in der Passauer Altstadt passiert, bestimmen alle Interessierten nach dem Konsensprinzip. Einmal in der Woche treffen sich Menschen aller Altersgruppen zum offenem Plenum, auf dem sie sich austauschen, informieren, und schließlich einstimmig darüber entscheiden, was im ZAKK passieren soll. Es wird unter anderem diskutiert welche Konzerte stattfinden, welche politischen Aktionen gestartet werden sollen aber auch, wer mit dem Putzen dran ist. Die Mitarbeit basiert auf Freiwilligkeit, das ZAKK finanziert sich über Spenden, es erhält keinerlei staatliche Förderung. Zur Unterstützung des Projekts existiert außerdem der ZAKK-Förderverein.

Das ZAKK ist ein für Passau einzigartiger und wertvoller Freiraum. Dank dem ZAKK ist Passau ein Anlaufpunkt für Künstler_innen aus aller Welt. Sogar Bands aus Russland und Kanada haben bereits im ZAKK gespielt und Abwechslung in die provinzielle Kleinstadt gebracht. Fernab von monetären Hintergedanken bietet das ZAKK die Möglichkeit, unkompliziert eigene Projekte zu realisieren.

Die Unterstützer_innen des ZAKKs sind mit der Kündigung nicht einverstanden. Es muss weiterhin einen selbstverwalteten, unabhängigen, offenen und unkommerziellen Raum in Passau geben.

Das ZAKK hofft auf die Unterstützung der Öffentlichkeit. Jeder Mensch, dem soziale Gerechtigkeit, Toleranz und Kultur wichtig sind, ist aufgerufen, sich mit dem ZAKK zu solidarisieren. Öffentliche Aktionen sind in Planung.

Das ZAKK-Plenum vom 25. Mai 2012

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